Nr. 89, Oktober 2026: Morgen ändere ich mich

Aktualisiert: vor 5 Tagen
und wenn nicht morgen, dann übermorgen ...

Entpuppung eines Schmetterlings
Liebe Leser:in,
bist du mit dir zufrieden, voll und ganz so, wie du bist? Oder geht es dir wie mir? Auch wenn ich mit mir und meinem Weg grundsätzlich zufrieden bin, so habe ich doch auch ein Bild von mir, wie ich mich weiterentwickeln möchte. Und vielleicht noch deutlicher: ein Bild davon, wie ich nicht mehr sein möchte.
Ein Beispiel aus diesem Idealbild, das ich von mir habe: „Ich bleibe gelassen. Ich bin in jedem Moment meines Lebens voll und ganz im Vertrauen. Egal, was passiert.“
Zu diesem Idealbild gehört natürlich auch, dass ich die Dinge erledige, die anstehen. Zum Beispiel meine Steuererklärung, die ich vor mir herschiebe. Aber das ist eine andere Geschichte. Heute geht es mir um diese Frage: Warum bin ich nicht jetzt schon wer ich sein möchte?
Die Antwort, die in mir auftaucht, ist meistens leise. Sie kommt ganz von selbst: Das kommt noch. Morgen ändere ich mich. Und wenn nicht morgen, dann übermorgen. Vielleicht kennst du das auch.
Doch morgen gibt es nicht. Wenn morgen da ist, ist es heute. Und an diesem Heute schaffen wir uns ein neues Morgen. Auch das wird nie eintreten. Sobald es da ist, ist es wieder heute. Wir verschieben also, wer wir sein möchten, auf einen Tag, den es nie geben wird. Es gibt nur heute. Es gibt nur jetzt.
Warum wir uns heute fühlen wie gestern
Warum schieben wir das, was uns so wichtig ist, trotzdem immer wieder auf? Ein Blick in unser Gehirn hilft, das zu verstehen.
Unser Gehirn spart Energie. Es greift ständig auf Erlerntes zurück und sagt daraus vorher, was als Nächstes passiert. Grundlage sind unsere eigenen Erfahrungen und das, was wir in unserer Familie mitbekommen haben. So läuft ein großer Teil unseres Alltags automatisch ab. Diese automatischen Prozesse sichern unser Überleben. Sie haben aber eine Kehrseite: Das Gehirn bevorzugt das Bekannte. Das Neue, das wir uns wünschen, kennt es noch nicht.
Diese Vorhersagen bleiben nicht im Kopf. Gedanken sind nicht nur Gedanken. Sie lösen biochemische Prozesse in unserem Körper aus. Ein sorgenvoller Gedanke kann Stresshormone wie Adrenalin und Cortisol freisetzen. Das Herz schlägt schneller, der Atem wird flach, die Schultern ziehen sich hoch. Der Körper macht sich bereit für eine Gefahr, die es vielleicht gerade gar nicht gibt.
Du kennst das vielleicht vom Montagmorgen. Der Wecker klingelt, und noch bevor du die Augen öffnest, ist es da: Oh je, eine neue Woche. Früh aufstehen, funktionieren, so viel zu tun. Dein Gehirn hat gelernt, was Montag bedeutet. Es spielt das Programm ab, und dein Körper spielt mit. Bevor die Woche überhaupt begonnen hat, fühlst du dich wie letzten Montag. Und wie den Montag davor.
So holt uns das Gestern jeden Tag ein. Wir fühlen uns heute wie gestern. Und wir stellen uns das Morgen so vor, wie wir das Gestern kennen. Kein Wunder, dass die Veränderung immer auf morgen wartet.
Die gute Nachricht: Unser Gehirn kann lernen. Ein Leben lang bildet es neue Verbindungen. Was wir oft denken, verknüpft sich immer fester, wie ein Trampelpfad, der durch häufiges Gehen zum Weg wird. Ein neuer Pfad entsteht, sobald wir ihn gehen. Nicht morgen. Jetzt.
Auch dabei antwortet der Körper. Ein dankbarer, zuversichtlicher Gedanke lässt ihn zur Ruhe finden. Das Herz schlägt gleichmäßiger, der Atem wird tiefer, die Muskeln lassen los. Botenstoffe werden ausgeschüttet, die mit Wohlbefinden und Verbundenheit zu tun haben.
Die Forschung zeigt sogar: Wenn wir uns etwas lebhaft vorstellen, ist unser Gehirn ähnlich aktiv, als würden wir es wirklich erleben. Hier liegt eine große Chance. Solange mein Wunschbild in der Zukunft liegt, bleibt es fern. Doch wenn mein Gehirn auf das Vorgestellte antwortet wie auf das Erlebte, kann ich mein neues Ich schon heute üben. Ich kann mir vorstellen, wie ich sein möchte. Und ich kann spüren, wie sich das anfühlt.
Dann bleibt nur die Frage: Wie genau möchte ich sein? Unten findest du eine kleine Übung dazu.
Zwischen gestern und morgen
Wenn du tiefer in dieses Thema einsteigen und mit uns gemeinsam üben möchtest, lade ich dich in unsere Aßländer-Morgenrunde im November ein. Sie findet online statt und trägt den Titel „Zwischen gestern und morgen“. Gemeinsam erforschen wir, was uns prägt, was uns gerade bewegt und wer wir sein möchten. Mit Stille, einem kurzen Impuls und Austausch in kleinen Gruppen starten wir an vier Montagen bewusst in die neue Woche.
Vielleicht fühlt sich der Montagmorgen dann für dich schon ganz anders an.
Lade gern auch Freundinnen und Freunde ein, die das interessieren könnte.
Manchmal liegt das, was uns zurückhält, tiefer. In Mustern, die nicht nur aus unserem eigenen Leben stammen, sondern aus unserer Familie. In der Familienaufstellung wird sichtbar, was wirkt. Altes darf seinen Platz bekommen. Und dann wird Neues möglich.
Und wenn du einen ganz eigenen Schritt gehen möchtest, begleite ich dich auch persönlich. Nimm einfach Kontakt auf.
Herzlichst
Kathrin
Eine Übung für dich
Mein neues Ich erfinden
Denk an eine Situation, die immer wieder auftritt. Eine, in der du merkst: Ich reagiere jedes Mal gleich. Dieselben Gefühle, dieselbe Anspannung. Vielleicht ein Konflikt mit einem bestimmten Menschen.
Geh in deiner Vorstellung jetzt in diese Situation hinein. Frag dich: Wie möchte ich hier reagieren? Stell dir dich selbst in dieser Situation so vor, wie du gern sein möchtest. Wie fühlt sich das an? Wo spürst du es im Körper? Wie atmest du, wie stehst du da? Bleib einen Moment in diesem Gefühl.
Und dann lass Dankbarkeit dazukommen. Dafür, dass du so sein kannst. Dankbarkeit ist eine starke Kraft. Sie gibt dem neuen Gefühl Halt.
Für dich aufgelesen
„How we spend our days is, of course, how we spend our lives.“
„Wie wir unsere Tage verbringen, so verbringen wir unser Leben.“
Annie Dillard
Für dich aufgelesen
Siebeneinhalb Lektionen über das Gehirn
Lisa Feldman Barrett · Rowohlt Taschenbuch
Warum haben wir überhaupt ein Gehirn? Die Neurowissenschaftlerin Lisa Feldman Barrett erklärt es in sieben kurzen Kapiteln und einem halben. Ihre zentrale Einsicht: Unser Gehirn ist vor allem damit beschäftigt, vorherzusagen, was als Nächstes kommt, und den Körper darauf einzustellen. Grundlage dafür ist alles, was wir bisher erlebt haben. Sie räumt dabei mit manchen Mythen auf und zeigt, wie eng wir mit anderen Menschen verbunden sind. Leicht zu lesen, oft überraschend. Und eine Ermutigung: Wir haben mehr Einfluss auf unser Erleben, als wir denken.
Einladung
Gerne begleiten wir dich mit deinen aktuellen Themen. Wir bieten dir verschiedene Wege an. In Präsenz oder online, in der Tiefe einer Aufstellung oder als Begleitung für deine Führungsrolle. Hier findest du alle aktuellen Formate und Termine.
Für eine persönliche Beratung und Coaching ruf mich gerne an oder schreibe mir eine Mail.
Onlineveranstaltungen
Formate, die gut in deinen Alltag passen. Info-Abende, unsere Aßländer-Morgenrunde, mit der wir gemeinsam bewusst in die Woche starten oder Online-Seminare. Auch für Aufstellungen und Einzelcoaching bieten wir an. Du bist ganz einfach von zu Hause aus dabei.
Systemaufstellungen
Du kannst mit einem eigenen Anliegen kommen oder als Stellvertreterin oder Stellvertreter mitwirken. Vorkenntnisse brauchst du nicht. Alle Aufstellungsseminare sind im Rahmen der Ausbildung als Organisationsaufsteller:in oder als Einzelteilnahme buchbar. Auch die Teilnahme als Tagesgast ist in jedem Seminar möglich.
Gut geführt - Seminare zu Führungsthemen
Bachelor und Master für Führungskräfte. In unserem Curriculum „Gut geführt“ geht es um Klarheit, Haltung und Präsenz im Führungsalltag. Entwickle mit uns deine individuelle Führungspersönlichkeit weiter.




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