Nr. 86, Juli 2026: Zeit für eine Pause
- Kathrin Aßländer

- vor 5 Tagen
- 4 Min. Lesezeit
„wirklich Urlaub“

Legohaus
Liebe Leser:in,
Ich sitze an meinem Schreibtisch und bin dabei, den neuen Newsletter zu verfassen, als mein Sohn zur Tür hereinkommt und mir stolz sein Legobauwerk zeigt. Ich betrachte es und sage: „Ich baue auch richtig gerne Lego, das macht mir wirklich Spaß.“
Er schaut mich verwundert an. „Dafür machst du das aber ziemlich selten.“
Er hat recht.
Irgendwo auf dem Weg des Erwachsenwerdens hat es angefangen: Alles, was ich tue, muss einen Sinn haben und ein Ergebnis bringen. Der berufliche Alltag, die Familie, die vielen Aufgaben dazwischen, sie haben eine echte Meisterin der Effizienz aus mir gemacht.
Selbst meine Freizeit ist oft davon geprägt. Ich baue Gemüse im Garten an. Die Arbeit in der Erde entspannt mich, und wir ernten gesundes, leckeres Gemüse. Ein herrlich sinnvolles Hobby.
Diese Sinnhaftigkeit gibt mir wirklich viel, das möchte ich gar nicht schmälern. Aber genau solche Tätigkeiten meine ich jetzt nicht, so großartig sie auch sind. Was mich das Erlebnis mit meinem Sohn eigentlich fragen lässt: Wie fühlt es sich an, einfach zu spielen? So, wie wir es als Kinder so gut konnten?
Vielleicht ist der Beginn der Urlaubszeit genau der richtige Zeitpunkt, das wieder zu spüren. Zeit zu schaffen zum Spielen. Zeit für Dinge, die einfach Spaß machen und guttun. Wie kommen wir dahin, zu diesem echten Urlaubsgefühl?
Man könnte meinen, es genügt, im Außen für Urlaub zu sorgen. Aber das stimmt nicht ganz. Unser Alltag folgt einer Ordnung: Termine, Verantwortung, Strukturen, die uns tragen und gleichzeitig festhalten. Diese äußere Ordnung unterbreche ich mit meinem Urlaub ganz bewusst. Nur weil draußen Ruhe einkehrt, heißt das noch lange nicht, dass es innen auch so ist. Das Innere braucht sein eigenes Aufräumen.
Vielleicht geht es dir wie mir: Im Büro hast du einen Autoresponder eingerichtet. Bin bis zum 28. nicht erreichbar, melde mich danach bei dir. Eine klare, freundliche Ansage. Aber welche Themen in deinem Kopf bräuchten eigentlich genau so einen Autoresponder? Nicht für immer, nur für diese eine Zeit.
Manches lässt sich dabei nicht einfach abschalten, und das soll es auch nicht. Wenn ein geliebter Mensch dich braucht, wenn du erreichbar bleiben musst, weil jemand auf dich zählt, dann gehört das zu deinem Leben genauso wie der Urlaub selbst. Es geht nicht darum, alles loszulassen. Es geht darum, bewusst hinzuschauen, was wirklich mit muss und was warten darf.
Wie voll ist gerade dein innerer Schreibtisch? Weiter unten findest du eine Übung, die dir helfen kann, Ordnung und Freiraum zu schaffen.
Was übrig bleibt, ist dieser Raum. Vielleicht nur für einen Nachmittag ohne Ziel. Vielleicht auch länger. Vielleicht für ein paar Legosteine.
Ich würde mich sehr freuen, von dir zu hören: Wie gut bist du im Spielen, und welchen Wert hast du darin entdeckt? Wie ist es dir nach deinem Urlaub ergangen? Wie war die Rückkehr in deinen Alltag?
Herzlichst
Kathrin
Eine Übung für dich
Schreibe jedes Thema, das dich gerade beschäftigt, auf einen eigenen Zettel. Ein Wort oder ein kurzer Satz reicht. Verteile die Zettel im Raum um dich herum, so wie es sich stimmig anfühlt. In der Aufstellungsarbeit nennen wir das Bodenanker.
Wie geht es dir, wenn du von all diesen Themen umgeben bist?
Geh von Bodenanker zu Bodenanker, von Thema zu Thema, und spür hinein: Was braucht gerade dieses Thema, damit es eine Zeit ohne mich sein kann? Vielleicht hilft dir diese innere Frage: Können wir eine Zeitlang Pause voneinander machen?
Geh dann zurück an deinen eigenen Platz und betrachte alle Themen, die da liegen.
Wie geht es dir jetzt? Wie kannst du wirklich in Ruhe sein und deine Pause machen?
Für dich aufgelesen
„Wir spielten und spielten und spielten, so dass es das reine Wunder ist, dass wir uns nicht totgespielt haben.“
Astrid Lindgren, aus „Das entschwundene Land“
Meine Buchempfehlung für dich von der größten Meisterin des Spielens:
„Das entschwundene Land“
Astrid Lindgren erzählt die Liebesgeschichte ihrer Eltern Samuel August und Hanna, eingebettet in ihre Erinnerungen an eine Kindheit in Småland, geprägt von endlosen, zweckfreien Spielen mit ihren Geschwistern. Kein Buch für den Kopf, sondern für eine gemütliche Stunde im Liegestuhl.
Einladung
🔸 Gut aufgestellt in den Feierabend · Online und kostenfrei
An diesem Abend beschäftigen wir uns mit den Ordnungsprinzipien, die in Familie, Unternehmen und den Systemen wirken, in denen wir leben, und geben Einblick in unsere Ausbildung zum zertifizierten Organisationsaufsteller.
Donnerstag, 23. Juli, 17 bis 18 Uhr
Ja
Curriculum "Gut aufgestellt" – Systemaufstellungen
Die Seminare können als Einzelkurs oder im Rahmen der Ausbildung zum:r zertifizierten Organisationsaufsteller:in besucht werden. Es sind keine Vorkenntnisse erforderlich. Wenn dir die drei Tage zu lange sind, kannst du Freitag oder Samstag als Tagesgast kommen und natürlich auch dein eigenes Anliegen aufstellen.
Unser Neukonzept für dich: Curriculum „Gut geführt“ - Seminare zu Führungsthemen
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