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  • AutorenbildKathrin Aßländer

Nr. 64, Oktober 2022: Abschied und Neubeginn

Es war ihm so wichtig, dass alles weitergeht




Wir nehmen Abschied von Friedrich Assländer. Nur wenige Wochen nach seiner Diagnose Pankreaskrebs verstarb mein Vater im Alter von 76 Jahren.


Am 10. August 2022, fünf Tage vor seinem Tod, gab er noch diese Worte zu Papier:



 

Liebe Leserinnen, liebe Leser,


Liebe Kursteilnehmer:innen, liebe Freunde und Freundinnen,


ich musste jetzt im Sommer einige Kurse aus gesundheitlichen Gründen absagen. Meine Diagnose: Bauchspeicheldrüsenkrebs. Meine Prognose: Es ist alles offen.


Meine Kurse werden von meinen Schülerinnen und Schülern weitergeführt. Alle haben bei mir eine Ausbildung durchlaufen und langjährige Erfahrung. Ich bitte Euch, ihnen das gleiche Vertrauen entgegen zu bringen, das ihr mir entgegengebracht habt.


Die Kurse werden voraussichtlich ab November in meinem Sinne und meiner Geisteshaltung fortgeführt und qualitativ meinen Kursen nicht nachstehen.


Die einzelnen Kursleiter:innen werden Euch anschreiben und einladen. Die meisten davon sind Euch bereits bekannt. Ich freue mich, wenn diese bewährten Kursreihen fortgesetzt werden und auch das eine oder andere Neue entsteht. Ich werde im Geiste anwesend sein.


Mit vielen lieben Grüßen,


Euer Friedrich


 

Schon am nächsten Tag konnte Friedrich kaum noch sprechen. Allen war klar, dass nur noch sehr wenig Zeit bleibt. Und dennoch schrieb er zu seiner Prognose „Es ist alles offen.“ Er hat sich nichts vorgemacht, er wusste sehr genau, dass er sehr bald sterben würde. Aber da war auch seine zutiefst empfundene Überzeugung, dass immer alles möglich ist. Er wollte sich nicht den „Wundern“, die dieses Leben bereit hält für uns, verschließen. Sein Tod sollte nicht das Ende sein. Sein Wirken sollte von uns Schüler:innen fortgeführt werden. Sein eigenes Sterben, ein Neubeginn sein – für ihn selbst und für uns.


Wenige Tage vor seinem Tod sagte mein Vater: „Kathrin, ich wollte noch einen letzten Wegweiser schreiben, aber ich schaffe das nicht mehr. Mach du das.“ Es war ihm so wichtig, dass alles weitergeht, auch wenn er nicht mehr da ist. Er stellte ein kleines Team langjähriger Wegbegleiter:innen auf. Wir werden seine Arbeit fortführen, wie er es sich wünschte, in seiner Geisteshaltung und mit dem Neuen, was jede:r von uns mitbringt.


Mein Vater hat seinen Beruf geliebt. Seine Arbeit gab ihm Kraft, Zuversicht und das Gefühl, ein sinnvolles DaSein auf diesem Planeten zu haben. Als er die Diagnose Pankreaskrebs im Endstadium erhielt, ging er nochmal selbst ganz bewusst diesen „Weg zum Wesentlichen“. Es fiel ihm nicht leicht, dieses Erdenleben so plötzlich verlassen zu müssen. Aber er nahm diese Aufgabe des Loslassens an. Er nutzte seine letzten Wochen dazu, alles was ihm noch wichtig schien zu regeln. So vollendete er sein letztes Buch noch im Krankenhaus, das Anfang des nächsten Jahres erscheinen wird. Er regelte seine Unternehmensnachfolge und stellte unser Kursleiter:innen-Team auf. Auch ließ er es nicht an guten Tipps und Lebensweisheiten für uns fehlen.


Diese letzten Wochen mit ihm werden mir immer als eine Zeit in Erinnerung bleiben, in der ich reich beschenkt wurde. Auch wenn es oft schwer war. In vielen unserer Gespräche ging es darum, was im Leben wichtig ist. Was zählt am Ende unserer Tage? Was waren die wichtigen, die wertvollen Momente? Am Ende war es immer die Liebe und die Zeit mit seinen „Liebsten“, die für ihn wichtig war. Ihm waren Erinnerungen an Familienurlaube wertvoll. Auch sprach er von der Erfahrung bedingungsloser Liebe in der Meditation.


Auf die Frage, was er noch gerne erleben würde vor seinem Tod, sagte er:


Es wäre schön, noch ein bisschen Zeit mit meinen Kindern zu haben.

Es wäre schöner, wenn wir auch noch einen gemeinsamen Urlaub verbringen könnten.

und am schönsten wäre es, wenn ich nochmal ein Seminar halten könnte!


Immerhin sein erster Wunsch ging in Erfüllung.


Ich möchte an dieser Stelle noch einmal „Danke“ sagen für die überwältigende Anteilnahme und für die großzügigen Spenden an den Schwanberg! Nun werden wir seine Seminare fortsetzen an diesem besonderen Ort, dem Schwanberg, wo Friedrich seine letzte Ruhe fand. Ich bin überzeugt, dass er unsere Arbeit da oben weiter begleiten wird. Wir freuen uns, wenn Sie uns Ihr Vertrauen schenken und in unseren Seminaren ein Stück Lebensweg mit uns gemeinsam gehen!


Mit herzlichen Grüßen


Kathrin Aßländer


 

Praxis-Tipp


Stellen Sie sich von Zeit zu Zeit die Fragen:

„Wenn ich nur noch wenige Wochen hätte, was würde ich tun?“

„Was möchte ich am Ende meines Lebens erreicht haben?“


Machen Sie sich eine Liste mit den 5 wichtigsten Zielen in Ihrem Leben. Stellen Sie sich die Frage: „Dient das, was ich tue, meine Ziele zu erreichen?“


Schreiben Sie auf, was sie sofort ändern können und: Tun Sie es! Sorgen Sie jetzt dafür, am Ende Ihres Lebens sagen zu können: „Es war ein gutes Leben. Ich habe gut gelebt!“

 

Für Sie gefunden

Schon viel zitiert, aber wer könnte treffendere Worte finden, als Hermann Hesse:


Stufen

Wie jede Blüte welkt und jede Jugend

Dem Alter weicht, blüht jede Lebensstufe,

Blüht jede Weisheit auch und jede Tugend

Zu ihrer Zeit und darf nicht ewig dauern.

Es muss das Herz bei jedem Lebensrufe

Bereit zum Abschied sein und Neubeginne,

Um sich in Tapferkeit und ohne Trauern

In andre, neue Bindungen zu geben.

Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne,

Der uns beschützt und der uns hilft, zu leben.


Wir sollen heiter Raum um Raum durchschreiten,

An keinem wie an einer Heimat hängen,

Der Weltgeist will nicht fesseln uns und engen,

Er will uns Stuf‘ um Stufe heben, weiten.

Kaum sind wir heimisch einem Lebenskreise

Und traulich eingewohnt, so droht Erschlaffen,

Nur wer bereit zu Aufbruch ist und Reise,

Mag lähmender Gewöhnung sich entraffen.


Es wird vielleicht auch noch die Todesstunde

Uns neuen Räumen jung entgegen senden,

Des Lebens Ruf an uns wird niemals enden…

Wohlan denn, Herz, nimm Abschied und gesunde!


 

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„The Big Five for Life: Was wirklich zählt im Leben“ von John Strelecky


Kurz vor seinem Tod ist es dem erfolgreichen Unternehmer Thomas wichtig, die Welt an seinem Erfolgskonzept teilhaben zu lassen. Seine Unternehmen führt Thomas anhand zweier Leitlinien: Jede:r Mitarbeiter:in muss seine Bestimmung sowie seine »Big Five for Life« kennen, also wissen, welche fünf Ziele er im Leben erreichen will.


Dieser kleine Roman ist „ganz zufällig“ aus den Bücherregalen meines Vaters in meine Hände gefallen. Ich glaube nicht an Zufälle. Für mich enthielt dieses Buch nochmal eine wichtige Botschaft von meinem Vater an mich.


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